Was passiert, wenn man auf der Straße ein Kaninchen findet, das sich nicht mehr bewegt und ganz platt ist? Was kann, was muss man jetzt tun? Eines ist für die Ratte und den Hund klar: Das Tier muss weg von der Straße, aber wohin? Und dann?

Auf einer drehbaren Tischbühne wird mit Stabmarionetten und Projektionen die Geschichte einer mitfühlenden, traurigen und unsagbar komischen Beerdigung erzählt.

 

Spiel und Ausstattung: Christian Glötzner                                                  

Regie: Frank Soehnle

 

 

 

 

Und das schreibt die Presse:

"Das platte Kaninchen"

Christian Glötzner nimmt es mit der atmosphärischen Dichte des Kinder-Bilderbuchs auf.

 

Poetische Bestattung

Es ist längst kein Tabu mehr, selbst kleine Kinder mit dem Thema Tod zu konfrontieren. Die künstlerischen Umsetzungen reichen dabei von Kitsch über Katastrophe bis Klamotte. Darsteller, Ausstatter und Figurenbauer Christian Glötzner macht es unter der Regie von Frank Soehnle komisch, poetisch und ein bisschen pathetisch. Ihr Stück „Das platte Kaninchen“ ist großes Theater für kleine Menschen ab vier Jahren.

Vorlage, aber vor allem Inspirationsquelle für diese Inszenierung einer ungewöhnlichen Bestattung ist ein Kinderbuch von Bárður Oskarsson von den Färøer-Inseln. In überschaubaren, aber eindrücklichen Bildern erzählt es die Geschichte von Hund und der Ratte, die auf der Straße ein Kaninchen finden. Die beiden überlegen sich eine ebenso einleuchtende wie poetische Bestattungszeremonie, bei der das Kaninchen tatsächlich in den Himmel kommt.

Die atmosphärische Dichte des Bilderbuchs nimmt Christian Glötzner in seinem Solo auf und übersetzt sie in dramatisches Handeln. Zu Stummfilmmusik aus den 1920er-Jahren baut er vor den Augen der Zuschauer eine Pappkartonstadt auf. Das Bühnenbild entsteht vor dem Auge des Betrachters. „Alles sah aus wie an einem Sonntag“ erklärt der Figurenspieler – und für einen Sonntag ist auf der kleinen Bühne ganz schön viel los: Overheadprojektor und weiße Leinwand schaffen raffinierte Schattentheaterprojektionen und Hund und Ratte als Stabmarionetten treffen sich schließlich auf einer kleinen Drehbühne beim Banjospiel.

Beim Anblick des platten Kaninchens überlegen sie, woher sie es kennen: Wohnte es nicht im Haus Nummer 34? „Ich habe mal an seine Gartenpforte gepinkelt“, erinnert sich der Hund. Lacher bei den Eltern. „Mir ist es wichtig, mit meinen Kinderstücken auch Erwachsene zu erreichen.“, erklärt Christian Glötzner. „Manchmal verwende ich sogar Ausdrücke, die nur die Eltern verstehen.“ Hier funktioniert der Witz sogar auf beiden Ebenen. Auch die differenzierte Musikauswahl, die Elemente aus Stummfilm, Blues und Elektro kombiniert, macht nicht nur den Kindern Spaß. Trotzdem bleibt Glötzner ganz nah dran an Kinderwelten. Ein Bühnenbild aus dem Bastelladen und der Recyclingtonne, wenige und einfache Dialoge, viel Zeit zum Nachdenken und Verstehen. 

Das platte Kaninchen sorgt für gespannte Stille. Mit rührender Vorsicht wird es von der Straße transportiert und auf einem gelben Drachen befestigt. Dass Hund und Ratte mit dem Drachen 42 mal hin und her rennen müssen, bis er endlich in die Luft steigt, entspricht  ebenfalls kindlichen Erfahrungswelten. Außerdem ist es ungeheuer komisch. Schließlich kommt das Kaninchen wortwörtlich in den Himmel. Beiläufig, verspielt und vollkommen logisch ist das. Bei der Premiere im Tübinger Zimmertheater gab es dafür begeisterten Applaus.

Andrea Bachmann/ fidena.de und Schwäbisches Tagblatt, 21. Februar 2017